Prüfschema · Öffentliches Recht

Einstweiliger Rechtsschutz (§ 80 Abs. 5 S. 1 Alt. 1 VwGO) - Begründetheit

§ 80 VwGO § 80 Abs. 5 VwGO
Die Begründetheit des Antrags nach § 80 Abs. 5 S. 1 Alt. 1 VwGO richtet sich nach den Erfolgsaussichten in der Hauptsache. Die summarische Prüfung bedeutet im ersten Examen grundsätzlich eine umfassende Prüfung des Hauptsacheverfahrens. Wie prüfst Du dies?
  1. I.
    Erfolgsaussichten in der Hauptsache
    Auf Begründetheitsebene des § 80 Abs. 5 S. 1 Alt. 1 VwGO werden die Vor- und Nachteile einer sofortigen Vollziehbarkeit gegeneinander abgewogen. Mit zunehmenden Erfolgsaussichten in der Hauptsache wächst auch das Gewicht des Aussetzungsinteresses des Antragstellers.
  2. 1.
    Sachentscheidungsvoraussetzungen
    Hinsichtlich der Sachurteilsvoraussetzungen darf nach oben verwiesen werden — der Antrag nach § 80 Abs. 5 VwGO teilt mit der Anfechtungsklage dieselben Sachentscheidungsvoraussetzungen. Gegebenenfalls lässt sich dieser Prüfungspunkt komplett auslassen.
  3. 2.
    Begründetheit - Rechtmäßigkeit des Verwaltungsakts
    Zunächst ist zu prüfen, ob sich der Verwaltungsakt bei summarischer Würdigung als rechtswidrig erweist (vgl. § 113 Abs. 1 S. 1 VwGO).
  4. a)
    Ermächtigungsgrundlage
    Aufgrund des Vorbehalts des Gesetzes bedarf jeder (belastende) Verwaltungsakt einer gesetzlichen Ermächtigungsgrundlage, die die Verwaltung zum Handeln berechtigt.
  5. b)
    Formelle Rechtmäßigkeit
    Voraussetzung der formellen Rechtmäßigkeit eines Verwaltungsakts ist die Einhaltung der Zuständigkeits-, Verfahrens- und Formvorschriften.
  6. c)
    Materielle Rechtmäßigkeit
    Materiell rechtmäßig erweist sich ein Verwaltungsakt, sofern die Tatbestandsvoraussetzungen der Ermächtigungsgrundlage vorliegen und er die richtige Rechtsfolge setzt; zudem muss er mit dem sonstigen höherrangigen Recht, insbesondere den Grundrechten, in Einklang stehen.
  7. 3.
    Begründetheit - Subjektive Rechtsverletzung
    Erforderlich ist eine Verletzung des Adressaten in seinen subjektiven Rechten durch den Verwaltungsakt (§ 113 Abs. 5 S. 1 VwGO). Bei einem rechtswidrigen Verwaltungsakt folgt die Rechtsverletzung bereits daraus, dass der Adressat einen rechtswidrigen Akt gegen sich gelten lassen muss; ergänzend kann er auch in speziellen Grundrechten verletzt sein. Praktische Bedeutung gewinnt dieser zusätzliche Prüfungspunkt vor allem in Drittanfechtungskonstellationen.
  8. 4.
    Zwischenergebnis: Erfolgsaussichten in der Hauptsache
    Empfehlenswert ist es, sich an dieser Stelle die aktuelle Position innerhalb der Prüfungsstruktur erneut zu vergegenwärtigen. Die saubere Trennung der Prüfungspunkte verdeutlicht zugleich, dass die Interessenabwägung zwar die Erfolgsaussichten in der Hauptsache mitberücksichtigt, im Ergebnis aber darüber hinausgeht.
  9. II.
    Interessenabwägung
    (1) Erweist sich der Verwaltungsakt als offensichtlich rechtswidrig und korrespondiert damit eine subjektive Rechtsverletzung des Antragstellers, kann kein öffentliches Interesse am Vollzug bestehen — der Antrag ist begründet.
    (2) Stellt sich der Verwaltungsakt bei summarischer Prüfung rechtmäßig dar, scheidet umgekehrt ein überwiegendes Interesse des Klägers an der Aussetzung der sofortigen Vollziehung aus. Mit § 80 Abs. 2 Nr. 1-3a VwGO hat der Gesetzgeber insoweit eine abschließende Wertung getroffen: in diesen Konstellationen besteht unter keinen Umständen aufschiebende Wirkung; der Antrag ist unbegründet.

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Nicht-amtliche Zusammenfassung. Maßgeblich sind die einschlägigen Gesetze und die jeweils aktuelle Rechtsprechung.