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title: "Prüfschema: Anfechtung einer Willenserklärung (§§ 119ff. BGB)"
canonical: "https://juralernen.de/schemata/anfechtung-einer-willenserklaerung-119ff-bgb"
kind: "Prüfungsschema (Aufbauschema)"
language: "de"
updated: "2026-04-25T07:43:41+00:00"
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# Anfechtung einer Willenserklärung (§§ 119ff. BGB)

Aufbauschema im Gutachtenstil. Lies die Schritte nacheinander; jeder enthält ggf. eine kurze Erläuterung.


## I. Zulässigkeit der Anfechtung / Kein Ausschluss

<klausurhinweis>Bevor Du die eigentliche Anfechtung prüfen kannst, musst Du zunächst klären, ob eine Anfechtung überhaupt möglich ist. Dafür solltest Du Dich fragen, was genau <b>Gegenstand der Anfechtung</b> sein soll und ob es in dem konkreten Fall <b>vorrangige Sonderregelungen</b> gibt, die die Anfechtbarkeit ausschließen.</klausurhinweis> <erklaerung>Anfechtbar sind grundsätzlich nur <b>Willenserklärungen</b>. Eine Anfechtung von <b>Prozesshandlungen</b> oder <b>Realhandeln</b> ist daher nicht möglich.
<br>Auch, wenn es sich um eine grundsätzlich anfechtbare Willenserklärung handelt, kann die Anfechtung im Einzelfall durch vorrangige Spezialvorschriften ausgeschlossen sein. Relevant ist hierbei insbesondere der <b>Vorrang des Gewährleistungsrechts</b> gegenüber der Anfechtung wegen Eigenschaftsirrtum (<a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/119.html" title="&sect; 119 BGB: Anfechtbarkeit wegen Irrtums">§ 119 Abs. 2 BGB</a>). 
<br>Die Anfechtung kann auch durch Bestätigung (<a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/144.html" title="&sect; 144 BGB: Best&auml;tigung des anfechtbaren Rechtsgesch&auml;fts">§ 144 BGB</a>) des Rechtsgeschäfts ausgeschlossen sein. Nach <b>h.M.</b> muss auch der <a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/313.html" title="&sect; 313 BGB: St&ouml;rung der Gesch&auml;ftsgrundlage">§ 313 BGB</a> vorrangig vor der Anfechtung Anwendung finden.</erklaerung> <vertiefung>Die <a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/119f.html">§§ 119f</a>f., <a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/142.html" title="&sect; 142 BGB: Wirkung der Anfechtung">142 BGB</a> gelten <b>analog</b> für <b>geschäftsähnliche Handlungen</b> (Mahnung, Fristsetzung, Rüge i.S.v. <a href="https://dejure.org/gesetze/HGB/377.html" title="&sect; 377 HGB">§ 377 HGB</a>).</vertiefung>

## II. Anfechtungsgrund (<a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/119.html" title="&sect; 119 BGB: Anfechtbarkeit wegen Irrtums">§§ 119</a>, <a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/120.html" title="&sect; 120 BGB: Anfechtbarkeit wegen falscher &Uuml;bermittlung">120</a>, <a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/123.html" title="&sect; 123 BGB: Anfechtbarkeit wegen T&auml;uschung oder Drohung">123 BGB</a>)

<klausurhinweis>Du solltest die möglichen Anfechtungsgründe – zumindest gedanklich – sorgfältig durchgehen.</klausurhinweis> <assessorexamen>Im Zweifel hilft der Blick in den Kommentar!</assessorexamen>

## III. Kausalität des Anfechtungsgrundes

Der Grund, welcher zur Anfechtung berechtigt, muss <b>kausal</b> für die konkrete Willenserklärung gewesen sein. Also: Der Irrtum oder die Drohung muss der Grund sein, warum der Anfechtende die Willenserklärung in dieser Form abgegeben hat.

## IV. Anfechtungserklärung (<a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/143.html" title="&sect; 143 BGB: Anfechtungserkl&auml;rung">§ 143 BGB</a>)

Der Anfechtende muss gegenüber dem Anfechtungsgegner die Anfechtung erklären (<a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/143.html" title="&sect; 143 BGB: Anfechtungserkl&auml;rung">§ 143 Abs. 1 BGB</a>). Wer der richtige Anfechtungsgegner ist, richtet sich nach der Art des Rechtsgeschäfts (<a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/143.html" title="&sect; 143 BGB: Anfechtungserkl&auml;rung">§ 143 Abs. 2 bis Abs. 4 BGB</a>).
Der Anfechtende muss den Anfechtungsgrund nicht nennen. Er muss aber <b>deutlich</b> machen, dass er gerade aufgrund eines <b>Willensmangels</b> das Rechtsgeschäft nicht bestehen lassen will.
<br>Die Anfechtungserklärung ist – wie bei jeder Ausübung eines Gestaltungsrechts – <b>unwiderruflich und bedingungsfeindlich</b>.

## V. Anfechtungsfrist (<a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/121.html" title="&sect; 121 BGB: Anfechtungsfrist">§§ 121</a>, <a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/124.html" title="&sect; 124 BGB: Anfechtungsfrist">124 BGB</a>)

Die Anfechtung ist ausgeschlossen, wenn die Frist verstrichen ist. Hier kommen verschiedene Fristen in Betracht. 
<br>Der Ablauf der Anfechtungsfrist schließt weitere Ansprüche des Getäuschten/Bedrohten nicht aus, z.B. aus Delikt oder c.i.c. 
<klausurhinweis>Mache dir klar, welche Frist für deinen Fall einschlägig ist. Hier hilft die sorgfältige Lektüre der Normen.</klausurhinweis>

## VI. Rechtsfolge: Nichtigkeit ex tunc (<a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/142.html" title="&sect; 142 BGB: Wirkung der Anfechtung">§ 142 BGB</a>)

Nach <a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/142.html" title="&sect; 142 BGB: Wirkung der Anfechtung">§ 142 BGB</a> führt die Anfechtung dazu, dass das betroffene Rechtsgeschäft als von Anfang an (= ex tunc) nichtig anzusehen ist. Es wird also „so getan“, als hätte es die angefochtene Erklärung nie gegeben. <klausurhinweis>Bei der Anfechtung solltest Du den <a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/142.html" title="&sect; 142 BGB: Wirkung der Anfechtung">§ 142 BGB</a> immer mitzitieren. 
<br>Sinnvoll ist es zudem, die Prüfung der Anfechtung einzuleiten mit: „Die Willenserklärung könnte als von Anfang nichtig anzusehen sein gemäß <a href="https://dejure.org/gesetze/BGB/142.html" title="&sect; 142 BGB: Wirkung der Anfechtung">§ 142 Abs. 1 BGB</a>.“</klausurhinweis>

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Kanonische URL: https://juralernen.de/schemata/anfechtung-einer-willenserklaerung-119ff-bgb
Quelle: juralernen.de — Prüfungsschemata für das 1. und 2. Staatsexamen.
