BeVO · Schleswig-Holstein

Landesverordnung über den Bau und Betrieb von Beherbergungsstätten (Beherbergungsstättenverordnung - BeVO)1 Vom 22. März 2022

Ausfertigungsdatum:
22.03.2022
Fundstelle:
GVOBl. 2022, 452
18 Vorschriften · Amtliche Fassung →
Eingangsformel BeVO

Aufgrund des § 85 Absatz 1 Nummer 1 und 3 und Absatz 3 Satz 1 Nummer 1 der Landesbauordnung vom 6. Dezember 2021 (GVOBl. Schl.-H. S. 1422) verordnet das Ministerium für Inneres, ländliche Räume, Integration und Gleichstellung:

§ 1

Anwendungsbereich

§ 1 AnwendungsbereichDie Vorschriften dieser Verordnung gelten für Beherbergungsstätten mit mehr als zwölf Gastbetten.

§ 10

Weiter gehende Anforderungen

§ 10 Weiter gehende AnforderungenAn Beherbergungsstätten in Hochhäusern nach § 2 Absatz 4 Nummer 1 LBO können aus Gründen des Brandschutzes weiter gehende Anforderungen gestellt werden.

§ 11

Beherbergungsräume

§ 11 Beherbergungsräume(1) Beherbergungsräume einschließlich dazugehörender Vorräume müssen unmittelbar von einem notwendigen Flur oder einem notwendigen Treppenraum erreicht werden können; bei nur gemeinsam vermietbaren Raumfolgen wie Suiten genügt es, wenn nur ein Raum unmittelbar von dem notwendigen Flur oder dem notwendigen Treppenraum zugänglich ist. Beherbergungsräume dürfen nicht innerhalb der Wohnung der Gewerbetreibenden oder Dritter liegen.(2) Beherbergungsräume dürfen grundsätzlich nicht in Dachgeschossen unter Weichdächern eingerichtet werden. Sie sind jedoch zulässig, wenn1. das Gebäude unterhalb des Dachraumes nicht mehr als ein Vollgeschoss hat,2. der Treppenraum mit feuerbeständigen Wänden und feuerbeständigem oberen Abschluss hergestellt ist; die nicht ins Freie führenden Türen müssen Rauchschutztüren sein,3. von jeder Stelle eines Aufenthaltsraumes der Treppenraum mindestens einer notwendigen Treppe oder ein Ausgang ins Freie in höchstens 25 m Entfernung erreichbar ist,4. Aufenthaltsräume gegen das Weichdach mit Bauteilen, die eine Feuerwiderstandsdauer von 30 Minuten von außen nach innen erfüllen, abgeschlossen sind,5. keine liegenden Dachfenster verwendet werden und6. das Gebäude mit einer Blitzschutzanlage ausgestattet ist.

§ 12

Barrierefreie Beherbergungsräume

§ 12 Barrierefreie BeherbergungsräumeMindestens 10 % der Gastbetten müssen in Beherbergungsräumen liegen, die einschließlich der zugehörigen Sanitärräume den Anforderungen an barrierefrei nutzbare Wohnungen gemäß § 50 Absatz 1 LBO entsprechen. In Beherbergungsstätten mit mehr als 60 Gastbetten muss mindestens 1 % der Gastbetten in Beherbergungsräumen liegen, die einschließlich der zugehörigen Sanitärräume barrierefrei und uneingeschränkt mit dem Rollstuhl nutzbar und für zwei Gastbetten geeignet sind; die erforderlichen Räume können auf die Räume nach Satz 1 angerechnet werden. Für die Anforderungen der Sätze 1 und 2 gilt § 50 Absatz 4 LBO entsprechend.

§ 13

Freihalten der Rettungswege, Rettungswegplan, Hinweise zum Verhalten im Brandfall, ...

§ 13 Freihalten der Rettungswege, Rettungswegplan, Hinweise zum Verhalten im Brandfall, Brandschutzordnung, Belehrung Betriebsangehörige, verantwortliche Personen(1) Die Rettungswege müssen frei von Hindernissen sein. Türen im Zuge von Rettungswegen dürfen nicht versperrt werden und müssen von innen leicht zu öffnen sein.(2) In jedem Beherbergungsraum sind an dessen Ausgang ein Rettungswegplan und Hinweise zum Verhalten bei einem Brand anzubringen. Die Hinweise müssen auch in den Fremdsprachen, die der Herkunft der üblichen Gäste Rechnung tragen, abgefasst sein.(3) Für Beherbergungsstätten mit mehr als 60 Gastbetten sind im Einvernehmen mit der Brandschutzdienststelle1. eine Brandschutzordnung zu erstellen und2. Feuerwehrpläne anzufertigen; die Feuerwehrpläne sind der örtlichen Feuerwehr zur Verfügung zu stellen.(4) Die Betriebsangehörigen sind bei Beginn des Arbeitsverhältnisses und danach mindestens einmal jährlich1. über die Bedienung der Alarmierungseinrichtungen und der Brandmelder zu unterweisen und2. über die Brandschutzordnung und das Verhalten bei einem Brand und über die Rettung von Menschen mit Behinderungen, insbesondere Rollstuhlnutzer, zu belehren.(5) Für die Einhaltung der in den Absätzen 1 bis 4 gestellten Anforderungen ist die Betreiberin oder der Betreiber oder die oder der von ihr oder ihm Beauftragte verantwortlich.

§ 14

Zusätzliche Bauvorlagen

§ 14 Zusätzliche BauvorlagenDie Bauvorlagen müssen zusätzliche Angaben enthalten über1. die Sicherheitsbeleuchtung,2. die Sicherheitsstromversorgung,3. die Alarmierungseinrichtungen,4. die Brandmeldeanlage,5. die Rettungswege auf dem Grundstück und die Flächen für die Feuerwehr,6. die Anzahl der Gastbetten und ihre Zuordnung zu Beherbergungsräumen nach § 12.

§ 15

Ordnungswidrigkeiten

§ 15 OrdnungswidrigkeitenOrdnungswidrig nach § 84 Absatz 1 Nummer 1 LBO handelt, wer vorsätzlich oder fahrlässig1. entgegen § 13 Absatz 1 Rettungswege nicht frei von Hindernissen hält oder halten lässt, Türen im Zuge von Rettungswegen versperrt oder versperren lässt oder als Verantwortliche oder Verantwortlicher nicht dafür sorgt, dass diese Türen von innen leicht geöffnet werden können,2. entgegen § 13 Absatz 2 den Rettungswegplan und Hinweise zum Verhalten bei einem Brand nicht in jedem Beherbergungsraum anbringt oder anbringen lässt,3. entgegen § 13 Absatz 3 die im Einvernehmen mit der Brandschutzdienststelle zu erstellende Brandschutzordnung und die anzufertigenden Feuerwehrpläne nicht bis zur Ingebrauchnahme der Beherbergungsstätte erstellt oder anfertigt oder erstellen oder anfertigen lässt.

§ 16

Anwendung der Vorschriften auf bestehende Beherbergungsstätten

§ 16 Anwendung der Vorschriften auf bestehende BeherbergungsstättenAuf die im Zeitpunkt des Inkrafttretens dieser Verordnung bestehenden Beherbergungsstätten sind die Vorschriften der §§ 13 und 15 anzuwenden.

§ 17

Inkrafttreten, Außerkrafttreten

§ 17 Inkrafttreten, AußerkrafttretenDiese Verordnung tritt am 1. September 2022 in Kraft. Gleichzeitig tritt die Beherbergungsstättenverordnung vom 11. Juni 2019 (GVOBl. Schl.-H. S. 175)*) außer Kraft.

§ 2

Begriffe

§ 2 Begriffe(1) Beherbergungsstätten sind Gebäude oder Gebäudeteile, die ganz oder teilweise für die Beherbergung von Gästen, ausgenommen die Beherbergung in Ferienwohnungen, bestimmt sind.(2) Beherbergungsräume sind Räume, die dem Wohnen oder Schlafen von Gästen dienen. Eine Folge unmittelbar zusammenhängender Beherbergungsräume (Suite) gilt als ein Beherbergungsraum.(3) Gasträume sind Räume, die für den Aufenthalt von Gästen, jedoch nicht zum Wohnen oder Schlafen bestimmt sind, wie Speiseräume und Tagungsräume.

§ 3

Rettungswege

§ 3 Rettungswege(1) Für jeden Beherbergungsraum müssen mindestens zwei voneinander unabhängige Rettungswege vorhanden sein; sie dürfen jedoch innerhalb eines Geschosses über denselben notwendigen Flur führen. Der erste Rettungsweg muss für Beherbergungsräume, die nicht zu ebener Erde liegen, über eine notwendige Treppe führen, der zweite Rettungsweg über eine weitere notwendige Treppe oder eine Außentreppe. In Beherbergungsstätten mit insgesamt nicht mehr als 60 Gastbetten genügt als zweiter Rettungsweg eine mit Rettungsgeräten der Feuerwehr erreichbare Stelle des Beherbergungsraumes; dies gilt nicht, wenn in einem Geschoss mehr als 30 Gastbetten vorhanden sind.(2) An Abzweigungen notwendiger Flure, an den Zugängen zu notwendigen Treppenräumen und an den Ausgängen ins Freie ist durch Sicherheitszeichen auf die Ausgänge hinzuweisen. Die Sicherheitszeichen müssen beleuchtet sein.

§ 4

Tragende Wände, Stützen, Decken

§ 4 Tragende Wände, Stützen, Decken(1) Tragende Wände, Stützen und Decken müssen feuerbeständig sein. Dies gilt nicht für oberste Geschosse von Dachräumen, wenn sich dort keine Beherbergungsräume befinden.(2) Tragende Wände, Stützen und Decken brauchen nur feuerhemmend zu sein1. in Gebäuden mit nicht mehr als zwei oberirdischen Geschossen,2. in obersten Geschossen von Dachräumen mit Beherbergungsräumen.

§ 5

Trennwände

§ 5 Trennwände(1) Trennwände müssen feuerbeständig sein1. zwischen Räumen einer Beherbergungsstätte und Räumen, die nicht zu der Beherbergungsstätte gehören, sowie2. zwischen Beherbergungsräumen unda) Gasträumen,b) Küchen.Soweit in Beherbergungsstätten die tragenden Wände, Stützen und Decken nur feuerhemmend zu sein brauchen, genügen feuerhemmende Trennwände.(2) Trennwände zwischen Beherbergungsräumen sowie zwischen Beherbergungsräumen und sonstigen Räumen müssen feuerhemmend sein.(3) In Trennwänden nach Absatz 1 Satz 1 Nummer 2 und nach Absatz 2 sind Öffnungen unzulässig. Öffnungen in Trennwänden nach Absatz 1 Satz 1 Nummer 1 müssen feuerhemmende Feuerschutzabschlüsse haben, die auch die Anforderungen an Rauchschutzabschlüsse erfüllen.

§ 6

Notwendige Flure

§ 6 Notwendige Flure(1) § 36 Absatz 1 Satz 2 Nummer 3 der Landesbauordnung (LBO) vom 6. Dezember 2021 (GVOBl. Schl.-H. S. 1422) ist nicht anzuwenden.(2) In notwendigen Fluren müssen Bekleidungen, Unterdecken und Dämmstoffe aus nichtbrennbaren Baustoffen bestehen. Bodenbeläge müssen aus mindestens schwerentflammbaren Baustoffen bestehen.(3) In notwendigen Fluren mit nur einer Fluchtrichtung (Stichfluren) darf die Entfernung zwischen Türen von Beherbergungsräumen und notwendigen Treppenräumen oder Ausgängen ins Freie nicht länger als 15 m sein.(4) Stufen in notwendigen Fluren müssen beleuchtet sein.

§ 7

Türen

§ 7 Türen(1) Feuerhemmende Feuerschutzabschlüsse, die auch die Anforderungen an Rauchschutzabschlüsse erfüllen, müssen vorhanden sein in Öffnungen1. von notwendigen Treppenräumen zu anderen Räumen, ausgenommen zu notwendigen Fluren, und2. von notwendigen Fluren in Kellergeschossen zu Räumen, die von Gästen nicht benutzt werden.(2) Rauchschutzabschlüsse müssen vorhanden sein in Öffnungen1. von notwendigen Treppenräumen zu notwendigen Fluren,2. von notwendigen Fluren zu Beherbergungsräumen und3. von notwendigen Fluren zu Gasträumen, wenn an den Fluren in demselben Rauchabschnitt Öffnungen zu Beherbergungsräumen liegen.

§ 8

Sicherheitsbeleuchtung, Sicherheitsstromversorgung

§ 8 Sicherheitsbeleuchtung, Sicherheitsstromversorgung(1) Beherbergungsstätten müssen1. in notwendigen Fluren und in notwendigen Treppenräumen,2. in Räumen zwischen notwendigen Treppenräumen und Ausgängen ins Freie,3. für Sicherheitszeichen, die auf Ausgänge hinweisen, und4. für Stufen in notwendigen Flureneine Sicherheitsbeleuchtung haben.(2) Beherbergungsstätten müssen eine Sicherheitsstromversorgung haben, die bei Ausfall der allgemeinen Stromversorgung den Betrieb der sicherheitstechnischen Anlagen und Einrichtungen übernimmt, insbesondere1. der Sicherheitsbeleuchtung,2. der Alarmierungseinrichtungen und3. der Brandmeldeanlage.

§ 9

Alarmierungseinrichtungen, Brandmeldeanlagen, Brandfallsteuerung von Aufzügen

§ 9 Alarmierungseinrichtungen, Brandmeldeanlagen, Brandfallsteuerung von Aufzügen(1) Beherbergungsstätten müssen Alarmierungseinrichtungen haben, durch die im Gefahrenfall die Betriebsangehörigen und Gäste gewarnt werden können. Bei Beherbergungsstätten mit mehr als 60 Gastbetten müssen sich die Alarmierungseinrichtungen bei Auftreten von Rauch in den notwendigen Fluren auch selbsttätig auslösen. In Beherbergungsräumen nach § 12 muss die Auslösung des Alarms optisch und akustisch erkennbar sein.(2) Beherbergungsstätten mit mehr als 60 Gastbetten müssen Brandmeldeanlagen mit selbsttätigen Brandmeldern, die auf die Kenngröße Rauch in den notwendigen Fluren ansprechen, sowie mit nicht selbsttätigen Brandmeldern (Handfeuermelder) zur unmittelbaren Alarmierung der dafür zuständigen Stelle haben. Die selbsttätigen Brandmeldeanlagen müssen in einer Betriebsart ausgeführt sein, bei der mit technischen Maßnahmen Falschalarme vermieden werden. Brandmeldungen sind unmittelbar und automatisch zur zuständigen Feuerwehralarmierungsstelle zu übertragen.(3) Aufzüge von Beherbergungsstätten mit mehr als 60 Gastbetten sind mit einer Brandfallsteuerung auszustatten, die durch die selbsttätige Brandmeldeanlage ausgelöst wird. Die Brandfallsteuerung hat sicherzustellen, dass die Aufzüge das nicht vom Rauch betroffene Eingangsgeschoss mit den notwendigen Ausgängen ins Freie, ansonsten das in Fahrtrichtung davor liegende Geschoss, anfahren und dort mit geöffneten Türen außer Betrieb gehen.

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Nicht-amtliche Wiedergabe. Maßgeblich ist der amtliche Text. Quelle: www.gesetze-rechtsprechung.sh.juris.de.