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title: "Verkehrsunfall: Was tun – Schritt für Schritt"
canonical: "https://juralernen.de/blog/verkehrsunfall-was-tun-schritte"
kind: "Blogbeitrag"
category: "Recht für alle"
language: "de"
description: "Vom Sichern der Unfallstelle bis zur Schadensregulierung: Welche Schritte schützen Sie nach einem Verkehrsunfall – und welche Pflichten haben Sie?"
published: "2026-04-15T09:30:00+00:00"
updated: "2026-05-24T05:06:50+00:00"
reading_minutes: "4"
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# Verkehrsunfall: Was tun – Schritt für Schritt

> Vom Sichern der Unfallstelle bis zur Schadensregulierung: Welche Schritte schützen Sie nach einem Verkehrsunfall – und welche Pflichten haben Sie?

## Erste Minuten: Sichern, helfen, melden

Gleich nach dem Unfall geht es nicht um Schuld oder Versicherung, sondern um die **Pflichten am Unfallort**. Sie sind in **§ 34 StVO** geregelt und verlangen vier Dinge:

1. **Anhalten** – sofort, auch bei kleinen Streifschäden.
2. **Unfallstelle sichern**: Warnblinker an, Warnweste, Warndreieck (innerorts ca. 50 m, außerorts 100 m, Autobahn 150–400 m).
3. **Erste Hilfe** leisten und ggf. **Notruf** wählen (112).
4. **Identität feststellen**: Den anderen Beteiligten gegenüber Name und Anschrift nennen, Versicherung nennen.

Wer einfach weiterfährt, riskiert eine Strafanzeige wegen **unerlaubten Entfernens vom Unfallort** (§ 142 StGB) – bis zu drei Jahre Freiheitsstrafe oder Geldstrafe, regelmäßig Fahrverbot.

## Wann muss die Polizei kommen?

Nicht jeder Unfall muss von der Polizei aufgenommen werden. Faustregeln:

- **Verletzte oder Tote** → immer Polizei und Rettung.
- **Erheblicher Sachschaden** (> ca. 2.000–3.000 €) → Polizei empfehlenswert.
- **Streit über den Hergang** → Polizei rufen, sonst „Aussage gegen Aussage".
- **Beteiligung von Fahrerflucht-Verdächtigen** oder **Alkoholverdacht** → Polizei.
- **Wildunfall, Schaden an öffentlichen Sachen** → Polizei.

Reine Bagatellschäden ohne Streit können auch ohne Polizei abgewickelt werden – wichtig ist nur die saubere Dokumentation.

## Dokumentation: Beweis ist alles

Nach Sicherung der Unfallstelle gilt: **Fotos, Fotos, Fotos**. Mit dem Smartphone festhalten:

- Gesamte Unfallstelle aus mehreren Perspektiven
- Endlage der Fahrzeuge
- Bremsspuren, Splitter, Glas
- Schadensbild von beiden Autos detailliert
- Verkehrsschilder, Ampeln, Sicht
- Zeugen ansprechen, Kontaktdaten notieren

Der **Europäische Unfallbericht** (gibt es bei jeder Versicherung) ist ein hilfreiches Formular: Kreuze ausfüllen, Skizze zeichnen, **beide unterschreiben** – das ist kein Schuldanerkenntnis, sondern eine Tatsachenfeststellung.

## Wichtig: Niemals Schuld eingestehen

Auch wenn die Situation eindeutig erscheint – ein voreiliges **Schuldeingeständnis** kann die spätere Regulierung erschweren. Sagen Sie sachlich, was Sie wahrgenommen haben, und überlassen Sie die rechtliche Bewertung der Versicherung. Schuldfragen klären Polizei und Versicherer aufgrund der objektiven Beweise.

## Schadensregulierung: Wer zahlt was?

In Deutschland gilt die **Pflichtversicherung**: Jeder Halter eines Kfz muss eine Haftpflichtversicherung haben (§ 1 PflVG). Sie zahlt den Schaden, den der Versicherungsnehmer **anderen** zufügt – nicht aber den eigenen Schaden.

- **Haftpflicht des Unfallverursachers** zahlt: Reparatur, Wertminderung, Mietwagen, Anwalt, Gutachten, Schmerzensgeld.
- **Eigene Vollkasko** zahlt: eigene Schäden auch bei Eigenverschulden.
- **Eigene Teilkasko** zahlt: u. a. Wildunfall, Diebstahl, Glasbruch.

Bei **streitiger Schuldfrage** empfiehlt sich ein eigener **Anwalt für Verkehrsrecht** – die gegnerische Versicherung zahlt seine Kosten, wenn sie zahlt.

## Schaden über 750 € – das Gutachten

Ab einem Schaden von ca. **750 €** haben Sie Anspruch auf ein **eigenes Sachverständigengutachten**, dessen Kosten die gegnerische Versicherung trägt. Vorteil: Sie bekommen eine unabhängige Schätzung von Reparaturkosten, Wertminderung und Restwert – wichtige Bausteine der Regulierung.

Das Gutachten gilt: bei **fiktiver Abrechnung** rechnen Sie nach Gutachten ab, ohne tatsächlich zu reparieren, und können den Differenzbetrag selbst einsetzen oder anderweitig verwenden.

## Personenschaden: Schmerzensgeld

Wer verletzt wird, hat Anspruch auf **Schmerzensgeld** (§ 253 Abs. 2 BGB). Die Höhe richtet sich nach Art und Dauer der Verletzung. Anhaltspunkte:

- HWS-Schleudertrauma leicht: 300–700 €
- Knochenbruch mit Reha: 1.500–5.000 €
- Dauerhafte Schädigung: ab fünfstellig

Dazu kommen materielle Schäden: Krankenhauskosten, Verdienstausfall, Haushaltsführungsschaden, ggf. Behandlungskosten über die Krankenkasse hinaus.

Wichtig: **Atteste und Behandlungen lückenlos dokumentieren** – sonst sinkt das Schmerzensgeld.

## Frist und Verjährung

Die meisten Ansprüche aus einem Verkehrsunfall **verjähren in drei Jahren** zum Jahresende, gerechnet ab Kenntnis von Schaden und Schuldner (§§ 195, 199 BGB). Bei Personenschäden ab Kenntnis – das kann sich auch lange nach dem Unfall ergeben (Spätfolgen).

Melden Sie den Schaden bei Ihrer Versicherung trotzdem **so früh wie möglich** – Verzögerungen können zu Beweis­problemen und zu Leistungskürzungen wegen Obliegenheitsverletzung führen.

## Was tun bei Fahrerflucht?

Wenn der Unfallgegner fortgefahren ist:

1. **Sofort Polizei** rufen.
2. **Kennzeichen, Marke, Farbe, Fahrtrichtung** notieren.
3. **Zeugen** ansprechen.
4. **Skizze und Fotos** anfertigen.
5. Bei ungeklärtem Verursacher: **Verkehrsopferhilfe** (eingerichtet von den Versicherern) kann eintreten.

## Zusammenfassung

- **Anhalten, sichern, helfen, melden** – das ist Pflicht, nicht Option.
- **Bei Verletzten, Streit oder erheblichem Schaden**: Polizei rufen.
- **Dokumentieren**: Fotos, Zeugen, Europäischer Unfallbericht.
- **Nichts Voreiliges unterschreiben**, kein Schuldeingeständnis.
- **Eigenes Gutachten und Anwalt** – die Kosten trägt die gegnerische Haftpflicht.
- **Drei Jahre Verjährung** – Ansprüche zeitnah geltend machen.

Die wichtigste Regel bleibt: Ruhe bewahren. Wer mit klarem Kopf dokumentiert, sichert sich die Beweismittel, die später entscheiden.

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Kanonische URL: https://juralernen.de/blog/verkehrsunfall-was-tun-schritte
Quelle: juralernen.de — Jura-Blog.
